Von Gott und der Welt

Gewissensfragen

Parteien sind in einer Demokratie unersetzlich. Denn sie bündeln Interessen von Bürgerinnen und Bürgern und sorgen durch ihre interne Meinungsbildung für einen gewissen Ausgleich. Schon der Apostel Paulus hat den Christen in Korinth geschrieben: „Es müssen auch Parteiungen unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.“

07.11.2015
Eine Kerze, die im Dunkel leuchtet (Foto: Pixabay)

Doch nicht alle Fragen des Zusammenlebens lassen sich in den Rahmen der Parteienlogik pressen. Vor allem in Gewissenfragen kann man seine Meinung nicht so leicht an eine Partei abgeben. Das Gewissen ist etwas sehr Persönliches.

Im Deutschen Bundestag wird gerade darüber debattiert, wie mit der Beihilfe zum Suizid bei Sterbenskranken, die selbst ihrem Leiden ein Ende setzen wollen und dabei die Hilfe von Angehörigen oder eines Arztes erbitten, umgegangen werden soll.

Was dürfen Ärzte? Besteht die Gefahr, dass daraus ein organisiertes Geschäft wird? Was heißt in Würde sterben? Die Parteien des Deutschen Bundestages haben sich entschieden, in dieser Frage des würdevollen Umgangs mit dem Sterben den Klubzwang aufzuheben. So kommt es zu ganz neuen Initiativen, bei denen Abgeordnete verschiedener Fraktionen zusammenarbeiten, und Parteikolleginnen unterschiedlicher Meinung sind. Ich wünschte mir auch in Österreich, dass der Klubzwang öfter aufgehoben würde. Dann wäre klarer zu sehen, dass unsere Abgeordneten ein Gewissen haben und wie sie es zu gebrauchen wissen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.