Pressegespräch „Mutternacht“

Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Nicaragua

Brot für die Welt rückt Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Nicaragua in den Blickpunkt – Unterstützung Betroffener bietet das Projekt MIRIAM.

09.05.2018
Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin Brot für die Welt, berichtet über Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Nicaragua (Foto Brot für die Welt)
Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin Brot für die Welt, berichtet über Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Nicaragua (Foto Brot für die Welt)

Die österreichische Initiative „Mutternacht“  macht heuer anlässlich des Muttertages auf das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen weltweit aufmerksam. Mutternacht ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die gemeinsam für eine Senkung der Müttersterblichkeit in Ländern des globalen Südens eintreten. Auch Brot für die Welt ist Teil der Initiative und stellte beim Pressegespräch am 7.5. 2018 ein Projekt  im Bereich der Betreuung von Gewaltopfern und der Gewalt-Prävention in Nicaragua vor.

Projektreferentin Aleksandra Kolodziejczyk beschreibt die Situation in Nicaragua und das von Brot für die Welt unterstützte Projekt „Miriam“:
Vor rund eineinhalb Monaten, genau gesagt am 20. März 2018 demonstrierten Mütter, Schwestern und Freundinnen von ermordeten Frauen in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas. Sie forderten ein Ende der Gewalt gegen Frauen in ihrem Land. Auslöser für die Demonstration war die Ermordung zweier Frauen. Eine 37-jährige und eine 17-jährige Frau wurden in ihrem Haus erschossen und verbrannt. Das Motiv ist unklar.

Podium beim Pressegespräch „Mutternacht" (Foto Brot für die Welt)
Am Podium beim Pressegespräch „Mutternacht“: Petra Bayr (Initiatorin der Initiative „Mutternacht“, Nationalratsabgeordnete SPÖ), Andrea Brem (Frauenhäuser Wien), Jennifer Bose (CARE), Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin (Foto Brot für die Welt)

In Lateinamerika gibt es eine Bezeichnung für solche Morde: Feminizide. Ein Feminizid liegt vor, wenn eine Frau ermordet wird, weil sie eine Frau ist. Ende März 2018 gab es bereits 17 Feminizide. 2017 waren es 58 Fälle, um 6 mehr als im Vorjahr. Neben Feminiziden stellen in Nicaragua, dem zweitärmsten Land Lateinamerikas,  andere Formen von Gewalt gegen Frauen ein massives Problem dar. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht.

Frauenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass 90% der Frauen mindestens ein Mal in ihrem Leben Gewalt durch Männer erfahren. Jede zweite Frau ist von häuslicher Gewalt betroffen und jede vierte Frau bereits einmal Opfer sexuellen Missbrauchs geworden, lautet die Einschätzung des Instituts für Rechtsmedizin in Nicaragua.

Die weit verbreitete häusliche und sexuelle Gewalt – bis hin zur Vergewaltigungen -  führt dazu, dass Nicaragua eine der höchsten Teeangerschwangerschaftsraten Lateinamerikas aufweist. 92 von 100 Frauen werden im Teenageralter schwanger. Zum Vergleich:  In Österreich sind es 8 Frauen von 1000.

Neben psychischen Belastungen und gesundheitlichen Risiken für die betroffenen jungen Frauen führen die frühen Schwangerschaften meist zum Schulabbruch und in Folge zu sozialem Abstieg. Häufig weigern sich die Väter, das Kind als das Ihrige anzuerkennen. Die jungen Mütter erhalten folglich keine Alimente und sind finanziell auf sich alleine gestellt. Es fehlt an Geld und Wissen, um die eigenen Rechte vor Gericht einklagen zu können. Häufig scheitert es an kleinen Dingen, wie dem Geld für die Fahrtkosten zum nächsten Polizeikommissariat.

In Fällen von häuslicher Gewalt kommt die wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von ihren Partnern hinzu. Oft erstatten Frauen auch keine Anzeige, weil sie nicht an die Gerichtsbarkeit glauben. Obwohl es Gesetze gegen Gewalt an Frauen gibt, ist Straflosigkeit weit verbreitet. Die Polizei schaut oft weg, den Frauen wird die Mitschuld an der erlebten Gewalt gegeben.

Gewalt gegen Frauen ist in der nicaraguanischen Gesellschaft tief verwurzelt. Die Unterordnung von Frauen wird von vielen Menschen – Männern wie auch Frauen – als selbstverständlich angesehen und im Zweifelsfall mit Gewalt durchgesetzt. So wird Gewalt häufig als etwas Normales angesehen. Oft erhalten Frauen wenig oder gar keine finanzielle Unterstützung, zuweilen werden die Täter geschützt. Deswegen ist es ist schwer, der Gewaltspirale zu entkommen.

Trotz – oder auch wegen – dem hohen Maß an Gewalt gegen Frauen gibt es eine starke Frauenbewegung in Nicaragua. Viele Frauen setzen sich für ein Ende der Gewalt ein.

MIRIAM vertritt die Rechte von Frauen

Brot für die Welt arbeitet in Somotillo, im Nordwesten des Landes, mit der Partnerorganisation MIRIAM, einer Frauenrechtsorganisation, die sich Betroffenen von Gewalt widmet.

Die Psychologinnen und Rechtsanwältinnen von MIRIAM unterstützen Betroffene, sie

  • bieten kostenlose psychologische und rechtliche Unterstützung und Begleitung für mittellose Frauen, die von Gewalt betroffen sind
  • begleiten Frauen in Rechtsfällen
  • erstellen kostenlos psychologischen Gutachten
  • organisieren und führen Mediationen mit Vätern durch, die sich weigern ihr Kind anzuerkennen und Alimente zu zahlen

 MIRIAM arbeitet auch im Bereich der Gewaltprävention.  Mitarbeiterinnen

  • führen Hausbesuche in Gemeinden und Dörfern durch und informieren über die Rechte von Frauen und über bestehende Gesetze und Rechtsmittel
  • halten Workshops und Vorträge zu rechtlichen und psychosozialen Themen, wie Gesetze zum Schutz von Frauen, innerfamiliäre und sexuelle Gewalt, Stärkung des Selbstwerts von Frauen
  • bieten Weiterbildungen für MitarbeiterInnen der Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaft an, um die Prävention von Gewalt und den Umgang mit Betroffenen von Gewalt zu verbessern.

MIRIAM möchte so lange aktiv bleiben, bis Gewalt nicht mehr zum Alltag von Frauen in Nicaragua gehört und Wegschauen keine Option mehr ist!

So stärkt Brot für die Welt Frauen in Projekten

Brot für die Welt setzt sich für Frauen und deren Rechte ein. Bei all unseren Projekten  arbeiten wir eng mit Partnerorganisationen in den jeweiligen Ländern zusammen.  Mehr Infos

 

Helfen Sie uns helfen!

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Das Projekt MIRIAM unterstützt von Gewalt betroffene Frauen und leistet Präventionsarbeit (Foto Brot für die Welt)
Das Projekt MIRIAM unterstützt von Gewalt betroffene Frauen und leistet Präventionsarbeit (Foto Brot für die Welt)
Eine Rechtsanwältin von MIRIAM besucht Frauen, auch in den entlegenen Gebieten (Foto Brot für die Welt)
Eine Rechtsanwältin von MIRIAM besucht Frauen, auch in den entlegenen Gebieten. Sie unterstützen in persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung und darin, die eigenen Rechte zu kennen und zu vertreten. (Foto Brot für die Welt)