Von Gott und der Welt

Geröstete Heuschrecken

Geröstete Heuschrecken mit Honig für die Kinder. Das würden wohl die Adventleckereien sein, die es in der Vorweihnachtszeit gäbe, wäre nur das Markusevangelium überliefert.

07.12.2013
Weihnachtsdekoration, die auf einem Tisch arrangiert ist (Foto: Diakoniewerk)
Der Advent ist nicht die Zeit der Punschhütten und Zimtsterne, sondern die Zeit der Umkehr von alten Fehlern und die Zeit des Aufbruchs aus festgefahrenen Mustern.(Foto: Diakoniewerk)

Denn im ältesten Evangelium, das von Jesus berichtet, dem Markusevangelium, fehlt etwas: Da finden sich keine Geschichten von Engeln und Lämmern, kein Ochs und kein Esel, keine Hirten und Könige, ja nicht einmal das Jesuskind kommt vor.

Stattdessen steht ein ruppiger Gesell im Kamelhaarumhang, der sich nur von Heuschrecken und Honig ernährte, am Anfang der Geschichte. Er scharte so viele Anhänger um sich, dass sich sein König vor ihm fürchtete, ihn verhaften und sich seinen Kopf auf einem Silbertablett servieren ließ.

Johannes der Täufer war kein Mann der Besinnlichkeit und stillen Einkehr. Er war ein lautstarker Rufer in der Wüste, der Umkehr forderte und radikale Besinnung. Als äußeres Zeichen der Umkehr und Reinigung vom Falschen taufte er seine Anhänger im Jordan. Er taufte auch den, dessen Weg er vorbereitete: Jesus.

Der Advent, die Zeit der Vorbereitung, für die Johannes der Täufer steht, ist nicht die Zeit der Punschhütten und Zimtsterne, sondern der Advent der Gewissenserforschung, die Zeit der Umkehr von alten Fehlern und die Zeit des Aufbruchs aus festgefahrenen Mustern.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

So fehlt zwar im Markusevangelium die Weihnachtsgeschichte, nicht aber der Advent. Denn der Advent ist die Zeit der Erwartung des Retters einer gefährdeten Welt. Der Advent, die Zeit der Vorbereitung, für die Johannes der Täufer steht, ist nicht die Zeit der Punschhütten und Zimtsterne, sondern der Advent der Gewissenserforschung, die Zeit der Umkehr von alten Fehlern und die Zeit des Aufbruchs aus festgefahrenen Mustern.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".