Von Gott und der Welt

Geh aus mein Herz

Schon der Prediger im alten Israel warnte seinen gelehrigen, strebsamen Sohn: Zu viel lernen kann deine Gesundheit gefährden! „Denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde.“

03.07.2015
bunte Wand, von Kindern mit Pinsel und Farbe gestaltet
Sommerzeit: Aufbruch ist angesagt! Genießt die Ferien! (Foto: Pixabay)

Deswegen sollen wir die Ferien weder den Lehrerinnen und Lehrern noch den Schülerinnen und Schülern neiden. Der Körper braucht’s. Wohl auch die Seele.

Der Liederdichter Paul Gerhardt hat dazu ein Lied geschrieben: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerszeit“. Er soll es mitten im dreißigjährigen Krieg seiner Frau zum Trost geschrieben haben, nachdem beide das vierte ihrer fünf Kinder verloren hatten. Ein Lied voll Gottvertrauen gegen allen Widerschein der Realität.

Das Ende eines Schuljahrs lässt so manche Seele beschwert zurück. Die Seele, die sich über jede neue Erkenntnis freut, leidet, wenn sie in das enge Korsett der Benotung gesteckt wird. Immer noch entscheiden Noten, oft viel zu früh, über den späteren Lebensweg. Diese Verantwortung stresst auch viele Lehrer. Nicht umsonst zählt der Lehrerberuf zu den burnout gefährdeten Berufen.

 „Geh aus mein Herz und suche Freud!“ Brich aus aus dem, was dich bedrückt, brich aus aus deinem Leiden und mache dich auf die Suche nach Gottes guter Schöpfung – gegen alle Zwänge, schlechte Zeugnisse und Verletzungen. Aufbruch ist angesagt, ohne Lehrbücher und ohne Gedanken an die drohenden Prüfungen zu verschwenden, dafür ist die Sommerzeit zu schön.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.