Von Gott und der Welt

Freiheit und Liebe

"Wetten, dass..." gibt's nicht mehr. Die große Abendshow hat ausgedient.

20.12.2014
Die 10 Gebote Gottes auf einer Marmortafel

Zuviele Sender, zuviel Konkurrenz. Ganz anders Anfang dieser Woche an zwei Tagen im Hauptabendprogramm in RAI Uno, dem staatlichen italienischen Fernsehen: Über 9 Millionen Zuseher sahen einem einzigen Mann auf einer leeren Bühne zu. Keine Musik, keine Requisiten.

Der Starkomiker, Regisseur und Oscarpreisträger Roberto Benigni legte die biblischen "Zehn Gebote" aus, und eine Nation hielt den Atem an.

Drei Sitze in der ersten Reihe des Theaters blieben frei – falls Gott kommt, wie Roberto Begnini eingangs bemerkte. Es war ein Ritt durch die zehn Grundregeln des Juden- und des Christentums, der niemals moralinsauer wurde oder die Sache ins Lächerliche zog. Roberto Begnini machte die Gebote lebendig, als Wegweiser auf dem Weg zu Freiheit und Liebe.

Furios etwa seine Ablehnung der Todesstrafe:

Du sollst nicht töten

gilt auch da. "Denn wer tötet, tötet immer zuerst sich selbst. Er ist ein Toter, der tötet". Gott hatte nach einer halben Stunde seine drei Plätze noch immer nicht eingenommen, da meinte Roberto Begnini: "Gott ist noch nicht da, wir warten jedenfalls weiter!"

Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Glauben heißt auch warten können, gerade im Advent. Währenddessen dienen uns die Zehn Gebote als Koordinatensystem, um in der Liebe und der Freiheit zu leben. Mehr als 3000 Jahre nachdem Mose sie empfangen hat, sind sie erstaunlich aktuell.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.