Von Gott und der Welt

FC Jesus

Jesus ist immer im Spiel, wenn die Selecao, die brasilianischen Nationalmannschaft, den Rasen betritt, auf dem um die Weltmeisterschaft gekickt wird.

21.06.2014

Dani Alves, der grimmige Verteidiger vom FC Barcelona, hat Jesus bei sich als großflächiges Tattoo auf seinem Unterarm. Stürmerstar Neymar hingegen trägt Jesus im Herzen, wie viele seiner Kollegen ist er von Kindheit an Mitglied einer kleinen Pfingstkirche, die ihre bewegten Gottesdienste am Stadtrand von Sao Paolo feiert. Die protestantischen Pfingstkirchen sind ein schnell wachsendes Phänomen im einst so katholischen Brasilien. Jedes Jahr schließen sich zwei Millionen Gläubige diesen Kirchen an. Bewusst sehen sie ihr Missionsgebiet in den Favelas der Armen, wo der sonntägliche Gottesdienst oft die einzige Zeit der Freude und des Trostes in der Woche ist. Zwei einfache Botschaften sind das Geheimnis ihres Erfolges:

Hör auf zu leiden!

und

Du kannst es schaffen!

Deshalb sind die Fußballer auch ihre besten Glaubenszeugen, denn sie haben es geschafft, ihr Schicksal in die Hand genommen und sie helfen ihren Gemeinden durchaus auch in ihrer sozialen Arbeit. Mitglieder der Pfingstkirchen spenden 10% ihres Einkommens – auch dann, wenn sie längst schon mehrfache Fußballmillionäre geworden sind. Falls Brasilien allerdings nicht Weltmeister werden sollte, wird das Leiden zum Thema werden. Doch daran will niemand denken, solange der Pfingstgeist durch die Stadien weht.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.