Die österreichisch-syrische Super-WG

Ein blondes Romakind

Maria ist blond, süß und schutzbedürftig wie alle Kinder ihres Alters. Ihre Eltern, die einzigen, die sie kennt, hat sie seit Tagen nicht gesehen. Die Menschen, die sie betreuen, sind nett zu ihr, aber sie versteht sie nicht, denn sie reden eine andere Sprache.

26.10.2013
Ein Plüschteddy, der auf einem Tisch liegt (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Die griechischen Behörden hatten festgestellt, dass die, bei denen sie aufgewachsen ist, nicht ihre leiblichen Eltern sind. Das blonde Mädchen war Polizisten in der Romasiedlung Farsala bei Larissa aufgefallen. Der Fall ging durch die Weltpresse und schnell war man sich einig. Von Kindesentführung und Kinderhändlerringen war die Rede. Das Paar aus Farsala gab an, das Kind adoptiert zu haben von einer noch ärmeren Romni, die es ihnen aus der Not überlassen hätte. Nun scheint die Mutter gefunden zu sein.

Wovon auch keine Rede ist, worüber aber gesprochen werden sollte: wie schnell die Weltöffentlichkeit wieder den alten Mythen geglaubt hat, dass Roma weiße Kinder stehlen. Eine Legende, die zur Rechtfertigung des Holocaust an den Roma gedient hat.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Die Romni Sasha R. lebt in Bulgarien. Ihre Kinder sind blond wie Maria. Von Entführung ist keine Rede mehr. Wovon auch keine Rede ist, worüber aber gesprochen werden sollte: wie schnell die Weltöffentlichkeit wieder den alten Mythen geglaubt hat, dass Roma weiße Kinder stehlen. Eine Legende, die zur Rechtfertigung des Holocaust an den Roma gedient hat. Jetzt ist klar: Maria wurde nicht gestohlen. Doch das hilft ihr wenig. Ihre Eltern bleiben weiter im Gefängnis. Ihre leibliche Mutter wird angeklagt, wegen Kindesweglegung. Zu Hause warten ihre Teddys auf ihrem Bett in der kleinen sauberen Wohnung. Auch diese Bilder wurden gefilmt, aber sie gingen nicht um die Welt!

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".