Von Gott und der Welt

Die Zeit der Trauer

Jeder ist unersetzlich. Stirbt ein Mensch, hinterlässt er eine Lücke, die nie mehr gefüllt werden kann.

27.08.2016
Teelichter, die im Dunklen leuchten (Bild: Pixabay)
Die Betroffenheit über den Tod der 71 Flüchtenden in Parndorf ging weit über den Kreis der Angehörigen hinaus. Am Trauergedenken nahmen viele bis hin zur Staatsspitze teil. (Bild: Pixabay)

Eine Welt geht unter. Weil das Leben aber weitergehen muss, geben sich Menschen in allen Religionen Rituale, wie mit der Trauer umzugehen ist. Damit das Leben weitergehen kann.

Der erste Todestag nach einem Jahr ist ein solches Datum. Gestern vor einem Jahr, am 26.08.2015, sind in Parndorf auf der Autobahn 71 Menschen gestorben. In einem Kühllaster erstickt. Ausgebeutet von skrupellosen Schleppern, die ihre Notlage ausgenutzt hatten.

Wo es möglich war, besuchten ihre Familien am Todestag die Gräber und trafen sich zu einem Essen und verteilten Spenden, wie es der Brauch ist. Es wurden Geschichten erzählt von den Hoffnungen, die der Krieg zerstört hat. Bilder gezeigt von früher. Es wurde geweint. Das erste Jahr der Trauer ist zu Ende.

Eine Tragödie wie die in Parndorf ist jederzeit wieder möglich.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Die Betroffenheit über den Tod der 71 Flüchtenden in Parndorf ging weit über den Kreis der Angehörigen hinaus. Am Trauergedenken nahmen viele bis hin zur Staatsspitze teil. So eine Tragödie dürfe nie mehr passieren, war damals zu hören. Vieles ist geschehen in diesem Jahr, das die offizielle Trauerzeit umspannt. Doch vieles ist unverändert. Der Krieg wütet schlimmer denn je. Die Grenzen sind dichter denn je. Es gibt keine legale Möglichkeit, in Europa um Asyl anzusuchen, ohne den gefährlichen Weg über das Meer oder den Weg über die Schlepper zu nehmen. Eine Tragödie wie die in Parndorf ist jederzeit wieder möglich.

"Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der "Krone".