Von Gott und der Welt

Die Pfingstvision

Pfingsten ist ein unterbewertetes Fest. Keine Geschenke, wenig Brauchtum, wenn wir Glück haben, blühen die Pfingstrosen. Dabei ist Pfingsten das große Fest der Vision des gelungenen Zusammenlebens aller – aller Menschen, Kulturen und Völker. Alle können sich verstehen.

14.05.2016
Eine Hand mit einem Turm aus Sand, der durch die Finger rinnt
Wir brauchen die Vision, dass wir verstanden werden, wenn wir unsere Sprache sprechen.

Unmöglich, denken da viele, angesichts der großen Kriege, aber auch der kleinen Konflikte im Alltag. Doch wir brauchen die große Vision eines Lebens, das von Gottes Geist erfüllt ist. Wir brauchen die Vision, dass das Unmögliche wahr wird. Wir brauchen die Vision, dass wir verstanden werden, wenn wir unsere Sprache sprechen. Wir brauchen den Traum einer Welt, in der Gerechtigkeit und Friede sich küssen, den Traum einer Welt, die auf die Alten hört und den Hoffnungen der Jungen Glauben schenkt. Die Welt wäre armselig, gäben wir uns zufrieden mit dem, wie sie ist.  

Aber neben der großen Vision brauchen wir auch die vielen kleinen Schritte, die uns im Zusammenleben voranbringen: die Treffen in der Nachbarschaft, um die Kultur der anderen kennenzulernen, die gegenseitigen Einladungen, das gemeinsame Essen und den Jubel über die Siege unserer bunten Fußballnationalmannschaft.

Die große Vision und die vielen kleinen Schritte können uns den Weg gehen lassen zum Ziel, dass einer den anderen verstehen wird, ohne sich selbst untreu zu werden oder den anderen verändern zu müssen, dass einer den anderen, so wie er ist, verstehen kann, im Respekt vor seiner Verschiedenheit.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.