Von Gott und der Welt

Die Männerkirche

Dass Frauen zu Pfarrerinnen ordiniert werden, ist in den Evangelischen Kirchen weltweit mittlerweile zur Normalität geworden. Und doch war die Ordination von Dace Dislere-Musta, die diese Woche im Waldviertel gefeiert wurde, etwas Besonderes. Sie stammt nämlich aus Lettland.

16.06.2018
Im Beisein zahlreicher FreundInnen und Angehöriger wurde die lettische Theologin Dace Dislere-Musta (r.) von Oberkirchenrätin Ingrid Bachler (l.) ordiniert. Foto: Jekabs Dislers-Musts
Die lettische Theologin Dace Dislere-Musta (r.) wird im Beisein zahlreicher Angehöriger und Freunde von Oberkirchenrätin Ingrid Bachler (l.) ordiniert. Foto: Jekabs Dislers-Musts

Und Lettland ist eine der wenigen lutherischen Kirchen, die das Pfarramt den Männern vorbehalten. So hat sie sich schweren Herzens entschieden, der österreichischen Kirche zu dienen.

Ihre Erklärung, warum in Lettland Frauen vom Pfarramt ausgeschlossen werden, ist interessant: „Als ich in den neunziger Jahren mit meiner Ausbildung begann, war in Lettland nach der Wende viel im Umbruch. Die evangelische Kirche bekam auf einmal sehr großen Einfluss“, konstatiert Dislere-Musta.

Genau das sei aber zum Problem geworden. Einige Männer in leitenden Funktionen der Kirche hätten sich besorgt gezeigt, diesen neu gewonnen Einfluss zu verlieren, insbesondere an Frauen.

Die Frauen haben noch immer nichts zu reden in der Kirche. Doch das ist, gottlob, nur in Lettland so.

Der politische Einfluss der Kirche rührte aus der Zeit, in der sie Sammelpunkt gegen die Okkupation durch die Sowjetunion gewesen war. Damals waren die Kirchen in Riga voll.

Heute, da Lettland im sicheren Hafen der EU liegt, sind die Kirchen wieder leer. Die Kirche lernt, dass ihre Hoffnung im Glauben gründet. Der Einfluss der Kirchen ist geschwunden. Doch die Frauen haben noch immer nichts zu reden in der Kirche.

Doch das ist, gottlob, nur in Lettland so.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".