Von Gott und der Welt

Die Macht der Straße

Die Menschen rissen sich die Kleider vom Leib und legten sie mit Palmblättern vor ihm auf den Boden. Sein Fuß sollten nicht die staubige Erde berühren müssen.

19.03.2016
Eine einfache Kutsche mit drei Eseln als Gespann, und drei afrikanischen Männern als Passagiere
Auch der Esel, auf dem Jesus ritt, beim Einzug in Jerusalem, zeigt, dass er auf der Seite der Ohnmächtigen steht. (Foto: Pixabay)

Der Einzug Jesu, der auf einem Esel ritt, glich in Jerusalem einem Triumphzug. Die Menschenmassen bejubelten ihn als Messias, als König, als ihren Retter, durchaus auch im politischen Sinne. Wir können uns den Einzug in Jerusalem als Demonstration vorstellen, das Volk meinte seinen Anführer gefunden zu haben.

Die jubelnden Hosiannarufe markieren den Beginn der Karwoche, der Woche des Leidens Jesu. Warum diese Wende? Warum mögen es dieselben gewesen sein, die beim Einzug dem König Jesus zugejubelt haben, die dann ins „Kreuziget ihn!“ eingestimmt haben.

Jesus blieb unbeeindruckt von der Macht der Straße. Er blieb, bei seinem Weg. Er wurde nicht zum Produkt der ihn bejubelnden Massen. Wer ihn als politischen Anführer begrüßt hatte, als Heerführer, der musste enttäuscht werden. Er ließ sich durch die Welle der Aufmerksamkeit nicht nach oben, nicht an die Macht spülen. Er blieb seinem Weg an der Seite der Armen treu. Und er setzte dadurch ein Zeichen, an wessen Seite der Platz Gottes ist. In seiner Revolution ging es nicht darum die Macht an sich zu reißen, sondern zu zeigen, dass Gottes Platz an der Seite der Ohnmächtigen ist. Jesus ging konsequent den Weg der Gewaltlosigkeit. Sein Weg ist auch für seine Nachfolger kein leichter, denn Macht und Gewalt bleiben eine ständige Versuchung.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.