Von Gott und der Welt

Die Liebe fließt

Wir lieben, was uns liebenswert erscheint und wir lieben, um geliebt zu werden. Gottes Liebe, so Martin Luther ist die, die „sich verströmt und Gutes schafft.“

11.03.2017
ein Herz aus Gänseblümchen
Gottes Liebe, so Martin Luther ist hingegen keine Liebe, die liebt, um geliebt zu werden, sondern die, die „sich verströmt und Gutes schafft.“

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Sie kommt und geht von einem zum andern. Sie nimmt uns alles, doch sie gibt auch viel zu viel. Die Liebe ist ein seltsames Spiel.“ Conny Francis sang diesen Schlager in den 60er Jahren über die menschliche Liebe. Wir lieben, was uns liebenswert erscheint und wir lieben, um geliebt zu werden. Gottes Liebe, so Martin Luther ist hingegen keine Liebe, die liebt, um geliebt zu werden, sondern die, die „sich verströmt und Gutes schafft.“

„Von Christus her fließen Gottes Gaben zu uns. Von uns aus sollen sie denen zufließen, die sie brauchen, und zwar ebenso völlig."
Martin Luther

Luther verwendet das Bild vom Fließen der Liebe Gottes, weil es die einseitige Bewegung von Gottes Geben zeigt – von Gott zu uns. In seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen führt er dieses Bild weiter: „Von Christus her fließen Gottes Gaben zu uns. Von uns aus sollen sie denen zufließen, die sie brauchen, und zwar ebenso völlig.“

Was für ein schönes Bild. Die Liebe Gottes fließt in uns hinein, um anschließend weiterzufließen. Die Liebe strömt zu jedem einzelnen von uns, und von uns strömt sie weiter zu den Menschen, die sie brauchen. Wir sind gleichzeitig Empfangende und Gebende. Geliebte und Liebende. Es ist ein tröstliches Bild. Wir sind nicht auf uns allein angewiesen, auf unsere Fähigkeit zu lieben und uns anderen zuzuwenden.

Wir empfangen Gottes gute Gaben nicht nur, wir werden durch sie geprägt und verändert, - wir werden liebevoll und liebenswert. Dann vergeht die Liebe auch nicht so schnell, aber sie gibt immer noch „viel zu viel“, wie Conny Francis singt.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".