Von Gott und der Welt

Die Liebe, die einzige Macht

„Wenn Du ein Gedicht denkst, fühlst Du Dich leichter“, meint Jürgen Ceplak, Dichter und Zeichner im Atelier de La Tour in Kärnten. Oft reicht es schon, Gedichte zu hören.

20.05.2017
Porträt von Veronika Grün (Foto: Florian Hoflehner)
Veronika Grün, Autorin, Theater Malaria (Foto: Florian Hoflehner)

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, drei Dichterinnen zu lauschen. Brigitte Koxeder, Ruth Oberhuber und Veronika Grün vom Theater Malaria des Diakoniewerks Gallneukirchen haben gemeinsam in Wien gelesen.

Da waren Worte zu hören wie: „Menschen sind für mich Schmetterlinge, die immer wieder neu zum Leben kommen.

Es ist ein Prozess. Der Mensch will so viel für sich gewinnen. Wer nur gewinnt, verliert das Leben, das Geschenk, das er bekommen hat. Wer aber bemerkt, dass er verliert, der gewinnt. Das wäre die Verwandlung.“

Oder das Gedicht über die Königin, die mit dem Leben der Dichterin verbunden ist „wie der Zucker mit dem Kaffee“ und deren einzige Macht die Liebe ist, die sie hat.

Porträt von Ruth Oberhuber (Foto: Florian Hoflehner)
Ruth Oberhuber, Dichterin, Theater Malaria (Foto: Florian Hoflehner)

Dass die drei Dichterinnen mit einer intellektuellen Behinderung sind oder mit Trisomie 21 geboren wurden, spielte keine Rolle, trat völlig in den Hintergrund.

Ruth Oberhuber meinte am Ende des Abends: „Es ist meine Bestimmung, dass ich mit meinen Texten Menschen erreiche und sie in meine Welt schauen lasse.“ Die Hörer der Gedichte waren berührt und gingen leicht und beschwingt in die Nacht. Die Hörerinnen wurden reich beschenkt mit Einblicken in eine königliche Welt voller Liebe. Denn „die Liebe ist die einzige Macht, die sie hat.“

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".