Von Gott und der Welt

Die letzte Ehre

Für die Toten, die auf der A4 gefunden wurden, kommt jede Hilfe zu spät. Es bleibt nur, die Toten zu begraben.

28.08.2015
Brennende Kerzen in einer dunklen Umgebung (Foto: Pixabay)

Für die Toten, die im Kleintransporter bei Parndorf auf der A4 gefunden wurden, ums Leben gekommen auf ihrer Flucht nach Europa, hineingepfercht von skrupellosen Schleppern, die ihr Geschäft mit dem Leid machen – für sie kommt jede Hilfe zu spät. Es bleibt nur, die Toten zu begraben. Begraben wir einen unserer Liebsten, dann scheint noch einmal sein Leben hell, spiegelt sich alles, was er war, in der Trauer, dem Abschied, den Worten und dem Ritual der Trauerfeier. Im Moment des Abschieds zeigt sich ein letztes Mal die Einzigartigkeit des Verstorbenen.

Jeder Mensch ist einzigartig, wie die Christen sagen, geschaffen nach dem Bilde Gottes, jeder vollkommen, jede anders. Wir wissen so wenig über die Menschen, die ihr Leben in einem dreckigen Kleintransporter lassen mussten. Nicht woher sie kamen, nicht woran sie glaubten, was sie erlitten und erhofften. Was wir aber wissen, ist, dass sie von einer Mutter geboren wurden und einem Vater haben, dass viele von ihnen Geschwister hatten, die alle um sie trauern und weinen. Sie hatten Hoffnungen und Ängste, wie jeder von uns. Und sie hatten Namen.

Jede und jeder vollkommen, jede anders. Ich hoffe und bete, dass man die Namen benennen und die Angehörigen zur Trauerfeier einladen wird können. Mütter und Väter, Schwestern und Brüder sollen am Grab ihrer Liebsten ihre Tränen vergießen dürfen. Im Leben haben sie keine Heimat gefunden, im Tode aber kann ihnen Österreich diese letzte Ehre erweisen.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.