Von Gott und der Welt

Die goldene Regel

Der Dalai Lama meinte kürzlich: Ethik sei wichtiger als Religion. Zumindest wurde er so zitiert. Man könnte hinzufügen. Ethik sei auch leichter als Religion zu praktizieren.

12.06.2015
ein Herz aus Gänseblümchen

Da braucht es keine Rituale und aufwendigen Gottesdienste, keine Gebete und Bekenntnisse, und schon gar keine mächtigen religiösen Organisationen, sondern da reichen einfache Regeln, an die sich der Einzelne halten kann.

So findet sich der ethische Grundsatz der goldenen Regel, die in der Bibel steht, in fast allen Religionen und nicht religiösen Konzepten:  „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Oder wie es sprichwörtlich negativ formuliert heißt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Mit diesen beiden Sätzen allein, ließe sich das Zusammenleben der Menschen schon ganz gut gestalten.

Wenn ihr erwartet, dass ihr freundlich behandelt werdet, wenn ihr ins Ausland fährt, dann behandelt Ausländer, die zu uns kommen auch freundlich. Wenn ihr hofft, dass euch geholfen wird, wenn ihr in Not seid, dann helft auch anderen, denen es schlecht geht

so hieße die Regel, angewandt auf das heutige Elend der Menschen auf der Flucht.

Die goldene Regel verlangt einen Perspektivenwechsel, man muss bereit sein sich in die Lage Betroffener hineinzuversetzen, und man muss bereit sein das zu einem Kriterium seines moralischen Handelns zu machen. Das ist nicht leicht. Aber nicht nur der Dalai Lama hätte seine Freude dran.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.