Von Gott und der Welt

Die Gefühle der Tanne

2,6 Millionen Christbäume werden am Weihnachstabend die österreichischen Stuben schmücken. Das hätte sich die protestantische Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg wohl nicht träumen lassen, als sie diesen Brauch aus ihrer Heimat im Jahr 1816 in ihrem Stadtpalais in der Annagasse 20 in Wien einführte.

16.12.2017
Ein Tannenbaum (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Kaiser Franz I., der an der Weihnachtsfeier teilnahm, wollte daraufhin auch in der Hofburg eine kerzengeschmückte Tanne aufstellen. Der Brauch eroberte bald die Wohnzimmer des Landes.

Doch wie geht es den Bäumen dabei? Haben Bäume Gefühle? Jedenfalls machen sie sich nützlich. Der Christbaumhandel belebt die Wirtschaft. 90% stammen aus heimischer Produktion. Und die Aufzucht der Bäume ist gut für das Klima. Ein Hektar Christbäume verbraucht in den 10 Jahren seines Wachstums bis zu 143t CO2 und produziert bis zu 105t Sauerstoff. Das sagt uns zumindest die ARGE der Christbaumproduzenten.

Über die Gefühle einer Tanne kann allerdings nur der Dichter Auskunft geben. So schreibt Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht Advent:„ …manche Tanne ahnt wie balde sie fromm und lichterheilig wird. Und lauscht hinaus: den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin – bereit und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit.“ Das ist ein schöner Gedanke. Wenn der Baum schon fromm und lichterheilig ist, dann werden wir das bestimmt auch in der Nacht der Herrlichkeit.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".