Von Gott und der Welt

Die Basis der Demokratie

Rodrigo Duterte, der Präsident der Philippinen, ist kein angenehmer Zeitgenosse.

17.09.2016
Kinder auf Fischerbooten auf den Philippinen
Auf den Philippinen ist die Demokratie in Gefahr

Er beschimpft den Papst und den amerikanischen Präsidenten Obama als Hurensöhne, obwohl die Philippinen eines der katholischsten Länder der Welt sind und enger Verbündeter der USA.

Zugleich ruft er zur Ermordung von Kriminellen und Drogenhändlern auf und soll auch – laut Zeugenaussagen vor einem Senatsausschuss – nicht davor zurückgeschreckt haben, politische Gegenspieler ermorden zu lassen. Er wurde mit großer Mehrheit gewählt und scheint immer noch Rückhalt in der Bevölkerung zu haben. Denn seine Ideen sind verführerisch.

Sie müssen vermitteln, dass Menschenrechte wie das Recht auf ein faires Verfahren für alle gelten – nicht nur für die Gesetzestreuen, sondern gerade auch für die Delinquenten, für Linke und Rechte, einfach für alle.
Diakonie-Direktor Michael Chalupka

Wer hätte nicht gerne ein Land ohne Drogen und Kriminalität. Dass dafür Menschen mit dem Leben bezahlen und staatlich verordnete Lynchjustiz den Rechtsstaat ersetzt, wird als Kollateralschaden hingenommen. Kirchliche Menschenrechtsorganisationen, die bislang arme Bauern und Fischer darin bestärkt haben, für ihre Menschenrechte einzutreten, stehen vor einer neuen Herausforderung: Sie müssen vermitteln, dass Menschenrechte wie das Recht auf ein faires Verfahren für alle gelten – nicht nur für die Gesetzestreuen, sondern gerade auch für die Delinquenten, für Linke und Rechte, einfach für alle. Sie, die Grundlage der Demokratie sind.

Wenn sie für bestimmte Gruppen außer Kraft gesetzt werden, ist die Demokratie in Gefahr. Das zu vermitteln ist schwierig, wenn sich der gewählte Präsident nicht daran hält.

„Von Gott und der Welt"

Die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.