Von Gott und der Welt

Die Apokalypse absagen

Politische Konflikte im Nahen Osten tragen immer die Gefahr in sich, religiös aufgeladen zu werden. Judentum, Christentum und Islam haben in dieser Region wichtige Heilige Stätten, und ihre Heiligen Schriften spielen dort.

14.09.2013
Eine Hand, die eine Rose hält (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay

Während Präsident Obama beim G20-Gipfel die Welt davon zu überzeugen versucht, mit militärischen Mitteln auf das Giftgasverbrechen in Syrien zu antworten, wird von radikalen religiösen Gruppen in den USA ein ganz anderer Diskurs geführt. In Talkshows, auf YouTube und in sozialen Netzwerken wird das Ende der Welt beschworen und im syrischen Bürgerkrieg ein Anzeichen der bevorstehenden Apokalypse gesehen. Ins Felde geführt wird eine Vers des Propheten Jesaja: „Siehe, Damaskus wird keine Stadt mehr sein, sondern ein zerfallener Steinhaufen; seine Städte werden verlassen sein für immer, dass Herden dort weiden, die niemand verscheucht."

Das furchtbare Leid, das den Menschen in Damaskus gerade geschieht, wird umgedeutet als Zeichen des Weltuntergangs und, mit ihm verbunden, der Wiederkunft Christi. Nicht die Menschen sollen erlöst werden von Krieg und Elend, sondern ihr Leiden wird als Zeichen der Erlösung gedeutet. Religiöse Verirrung und unmenschlicher Radikalismus sind, so scheint es, überall zu finden. Da tut es gut, dass von den großen Kirchen, ob aus den USA oder aus dem Vatikan, ein Aufruf zum Frieden kommt – ohne Waffengewalt einzusetzen und mit dem apokalyptischen Schwert dreinzuschlagen.

"Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der "Krone".