Von Gott und der Welt

Der Sündenfall

Die Geschichte, als Eva Adam im Paradies den Apfel gab, ist bekannt als Geschichte des Sündenfalls. Nun kommen in der Geschichte weder ein Apfel noch das Wort Sünde vor.

25.03.2017
Angebissener Apfel
Der Sündenfall ist nicht, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können, sondern keine Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen und nicht für die Welt Verantwortung zu übernehmen. (Foto: Pixabay)

Die Geschichte, als Eva Adam im Paradies den Apfel gab, ist bekannt als Geschichte des Sündenfalls. Nun kommen in der Geschichte weder ein Apfel noch das Wort Sünde vor, es ist von der verbotenen Frucht des Baums der Erkenntnis die Rede, von der Adam kostet, um dann zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können. Von Rabbi Schneur, der Ende des 18. Jahrhunderts in Russland im Gefängnis saß, weil seine Lehre angeblich die Autorität des Zaren untergrabe, wird folgende Geschichte erzählt. Eines Tages kam der Rabbi mit dem Gefängniswärter ins Gespräch. Die beiden kamen auf die Geschichte von Adam, Eva und der Schlange zu sprechen.

...es ist von der verbotenen Frucht des Baums der Erkenntnis die Rede, von der Adam kostet, um dann zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Der Gefängniswärter fragte den Rabbi: „Gott ist doch allwissend. Sag mir, Rabbi: Wie ist das zu verstehen, dass Gott den Adam fragt: Wo bist du? Ist es denn möglich, dass Gott nicht wusste, wo Adam war?“ Und Rabbi Schneur antwortete dem Gefängniswärter: „Gott wusste es wohl, aber hat es auch Adam gewusst?“ Adam war orientierungslos. Aber vielleicht wollte es Adam ja auch gar nicht so genau wissen. Denn im Paradies, als ihm alles noch abgenommen wurde, er keine Entscheidungen zu treffen hatte, sich nicht zwischen Gut und Böse entscheiden musste, da fühlte es sich behaglicher an. Wer weiß, dass sein Tun Folgen hat, der ist auch verantwortlich dafür. Der Sündenfall ist nicht, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können, sondern keine Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen und nicht für die Welt Verantwortung zu übernehmen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".