Von Gott und der Welt

Der stillste Tag im Jahr

Der Karfreitag ist für evangelische Arbeitnehmerinnen nach dem Arbeitsruhegesetz ein „Feiertag“. Das kann zu Missverständnissen führen.

03.04.2015
Jesus am Kreuz (Foto: Pixabay)
Der Karfreitag aber ist der stillste Tag im Jahr. (Foto: Pixabay)

Unter einem Feiertag verstehen wir doch sonst einen Tag des guten Essens, der Entspannung und der familiären Feier. Der Karfreitag aber ist der stillste Tag im Jahr.

Der Tag, an dem für alle Christinnen und Christen das Gedenken an das Leiden Christi und das Leiden in der Welt im Mittelpunkt stehen. Er ist ein Ruhetag, an dem der Kreislauf des Alltags, der reibungslos und schmerzlos zu funktionieren hat, für einen Moment ins Stocken gerät, zum Stillstand und damit zur Besinnung kommt.

Zur Besinnung darauf, dass das Leid, der Schmerz und die Traurigkeit zum Leben gehören, nicht völlig vermeidbar sind, nicht ausgeblendet und verdrängt werden können, sondern zum Menschsein gehören. So sehr zum Menschsein und zur Freiheit des Menschen gehören, dass sogar Gott selbst, der Mensch geworden ist, gelitten hat und am Kreuz gestorben ist – mit der Frage auf den Lippen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Doch wir feiern am Karfreitag nicht das Leiden!

Dem Karfreitag folgt die Auferstehung. Wir wissen: Das Leid und der Tod haben nicht das letzte Wort. Das wollen wir feiern.

Wir gedenken des Leidens und denken an die Leidenden, wir beten für die Trauernden und Weinenden, dass sie spüren können, dass sie nicht allein sind, dass sie im besten Fall spüren können, dass Gott ihnen zur Seite steht. Und wir wissen. Dem Karfreitag folgt die Auferstehung. Wir wissen: Das Leid und der Tod haben nicht das letzte Wort. Das wollen wir feiern.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".