Von Gott und der Welt

Der Nikolo bleibt

Der Heiliger Nikolaus kommt immer noch und bringt den Kindern seine Gaben. Er erweist sich als reformresistent.

06.12.2014
Nikolaus aus Schokolade
Der Heiliger Nikolaus kommt immer noch und bringt den Kindern seine Gaben

Martin Luther wollte ihn 1535 abschaffen. Einen katholischen Bischof als Heiligen zu verehren, passte nicht zu den Protestanten. An seiner statt sollte nun der "Heilige Christ" am Weihnachtsabend die Geschenke bringen. Das gefiel den Menschen, aus dem "Heiligen Christ" wurde bald das Christkind, dem die Kinder ja heute noch ihre Briefe ins Fenster legen.

Doch der Nikolo, der ließ sich nicht abschaffen. Unverdrossen bringt auch er am 6. Dezember Nüsse, Mandarinen und andere Süßigkeiten. Und das ist gut so, erinnert er uns doch dadurch immer wieder an seine Lebensgeschichte, die ihn, als er ein reicher junger Mann war, gelehrt hatte, dass Geben seliger als Nehmen sei.

Nachdem er in der Bibel die Geschichte von Lazarus gelesen hatte, der sein Lebens als Bettler verbrachte und von den Engeln in den Himmel getragen wurde, eilte er zu den Bettlern der Stadt, wollte in seine Taschen greifen, doch an seinem mit Perlen bestickten Kleid gab es keine. So schlüpfte er aus dem Rock, verschenkte seinen Ring und die goldene Kette um seinen Hals. Die Bettler lachten. Nikolaus aber eilte glücklich nach Hause und ließ sich einen Mantel mit großen Taschen für die Bettler schneidern. So beschenken uns nun beide, das Christkind und der Nikolo.

Der heilige Nikolaus lässt sich nicht abschaffen, genausowenig wie seine Freunde, die Bettler.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.