Von Gott und der Welt

Der Kinderschreck

„Ihr sollt den Namen Gottes nicht missbrauchen!“ so sagt es uns das zweite Gebot.

13.09.2014
Zwei Kinder, die Grimassen schneiden
Gott als Kinderschreck einsetzen? (Foto: Pixabay)

Sehen wir Gotteskrieger mit dem Namen Gottes auf ihren Fahnen in den Krieg ziehen, dann ist der Sinn des Gebotes einsichtig. Es gilt aber auch in so alltäglichen Situationen wie der Kindererziehung.

Sind wir da mit unserer Weisheit am Ende, kann die Versuchung groß sein, Gott als erzieherische Notbremse und Kinderschreck einzusetzen. Denn Gott sieht  und hört ja alles. Wie soll man denn auch sonst kleiner Monsterchen Herr werden, denen man an der Nasenspitze ansieht, dass sie etwas angestellt haben. Aber gesehen hat man´s eben nicht. - Da kommt ein Gott, der alles sieht und hört, gerade recht.

Doch Gott ist ja in Jesus Mensch geworden und gerade zu denen gekommen, die etwas angestellt haben – den Sündern.

Und „lasset die Kinder zu mir kommen“ hat er gesagt und sicher nicht nur die braven gemeint.
Doch, es ist schon so: Gott sieht alles, und er hört alles. Das bedeutet zunächst einmal nur: Gott erträgt alles. Er allein erträgt es alles zu sehen, all das Böse, all das Elend und all die Liebe und Leidenschaft. Nur Gott und niemand anderer.

Nur Gott darf alles wissen wollen, niemand sonst. Denn Gott ist barmherzig, geduldig und von großer Güte.
Bei ihm bleiben Geheimnisse im Herzen verborgen. Und Geheimnisse in Kinderherzen sind siebenfach versiegelt.

In Gottes Namen dürfen keine Kinder geschreckt werden. Gott sieht alles, und er hört alles. Aber er sagt’s nicht weiter.

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.