Was „Flüchtlingsobergrenzen“ bewirken

Der Kelomat Effekt

Wer bei einem Druckkessel das Ventil schließt, während weiterhin Energie zugeführt wird, muss mit einer Explosion rechnen.

10.02.2016
Eine flüchtende Familie in Nickelsdorf an der Österreichisch-Ungarischen Grenze

Die jüngsten Rufe nach einer Obergrenze bei Flüchtlingen, dem Schließen von Grenzen, der Errichtung von „Wartezonen“ werden den Flüchtlingsstrom nicht zum Versiegen, sondern den Kessel zum Explodieren bringen.

Solange Menschen weiter vor Verfolgung und Tod fliehen und Europa nicht in der Lage ist sichere Einreise und solidarische Verantwortungsteilung in Europa zu installieren, ist die Durchreisemöglichkeit für Flüchtlinge über die Balkanroute das einzige Ventil, das den Fortbestand eines gemeinsamen Europas garantiert. Wird dieses Ventil geschlossen und gibt es keine Alternative für die Menschen Sicherheit zu erlangen, wird dies eine Kettenreaktion in ganz Europa auslösen.

Keines der Länder auf der Route zwischen Griechenland und Österreich wird in der Lage sein eine so große Menschenmenge über Monate oder vielleicht Jahre in einer Wartezone zu halten. Sobald Österreich die Grenzen schließt, wird dies einen Dominoeffekt auslösen, der als letzten Stein in der Kette Griechenland zu Fall bringen wird. Dort werden dann hunderttausende Flüchtlinge stranden und das Land endgültig an den Rand der Existenz bringen.

Uns muss klar sein, wenn Europa an der Aufnahme der Flüchtlinge scheitert, dann bedeutet das das Ende der Europäischen Union, die wir kannten.

Wir brauchen ein Europa der Solidarität und müssen Neid und Missgunst überwinden.
Christoph Riedl, Asylexperte der Diakonie

Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa. Wir brauchen nicht das Ende der Willkommenskultur, sondern deren Ausbau und zwar in solidarischer Weise in ganz Europa.

Am 14. und 15. Jänner haben in Wien die Flüchtlingsorganisationen Zentraleuropas eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Sie rufen die Regierungen zu Solidarität auf und mahnen unsere Verantwortung ein: „Wir glauben, dass alle zentraleuropäischen Staaten zusammenarbeiten müssen, um ihre rechtlichen und humanitären Pflichten zu erfüllen und das Asylrecht gerade in einer Region zu schützen, die im letzten Jahrhundert Millionen von Flüchtlingen zu verantworten hat. Wir rufen unsere Regierungen auf, fairen und transparenten Zugang zu den nationalen Asylsystemen zu gewährleisten, sei es auf dem Meer, an Land oder an Flughäfen.“ Hier die gesamte Erklärung.

Wir brauchen ein Europa der Solidarität und müssen Neid und Missgunst überwinden.

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