Von Gott und der Welt

Der autofreie Tag

Der autofreie Tag ist wieder da – zumindest in Graz. In mir steigen Jugenderinnerungen hoch.

25.01.2014
Ein Marienkäfer in einer Nahaufnahme (Foto: Pixabay)
Die Verseuchung der Umwelt und der Klimawandel sind nicht das Versagen des Einzelnen, sondern ein kollektives Versagen, das nach einer kollektiven Umkehr verlangt. (Foto: Pixabay)

Wir schrieben das Jahr 1974, und in der Familie in Graz gingen die Wogen hoch, welchen Tag wir denn nun zum autofreien Tag erklären sollten. Die Aktion dauerte rund einen Monat, doch das Pickerl am blauen Peugeot hab ich immer noch vor Augen.

Ging es damals darum Öl zu sparen, geht es heute um die Verringerung der Feinstoffbelastung. Außerdem ist die Aktion freiwillig und wird mit billigeren Öffi-Fahrkarten belohnt. Das ist gut so. Das ist aber auch der Haken an der Geschichte. Wieder einmal wird der Einzelne dazu ermuntert, etwas für die Umwelt zu tun. Menschen, die überzeugt sind, dass wir unsere Umwelt, unsere Erde so sehr belasten und aufheizen, dass der Klimawandel katastrophale Auswirkungen hat, trennen ihren Müll, essen weniger Fleisch, fahren mit dem Rad und fliegen selten.

Die Verseuchung der Umwelt und der Klimawandel sind nicht das Versagen des Einzelnen, sondern ein kollektives Versagen, das nach einer kollektiven Umkehr verlangt.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Doch die Verseuchung der Umwelt und der Klimawandel sind nicht das Versagen des Einzelnen, religiös gesprochen eine persönliche Sünde, die nach einem persönlichen Schuldbekenntnis und nach Reue des Einzelnen verlangt. Sie sind ein kollektives Versagen, das nach einer kollektiven Umkehr verlangt. Doch die internationalen Konferenzen zum Klimawandel drehen sich im Kreis. Dort wird gelogen, verleugnet und vertuscht. So bleibt uns nichts weiter, als zu versuchen, wenigsten selber die Umwelt weniger zu verdrecken. Das führt zumindest zu einem reinen Gewissen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".