Von Gott und der Welt

Das Kreuz ist ein Skandal

Der Karfreitag kann ihren Glauben gefährden. Der Karfreitag ist ein Skandal. An diesem Tag der Erinnerung an das Leiden Jesu stellt sich die Frage nach dem Leiden in der Welt immer wieder neu. Wie kann Gott das zulassen?

14.04.2017
Drei Kreuze am Ölberg in Jerusalem im Sonnenuntergang
(Foto: Pixabay)

Ein Gott, der doch allmächtig und herrlich ist. Wir wollen doch das Gute sehen und in einer Welt leben, die in Ordnung ist.

Der Karfreitag lenkt unseren Blick unbarmherzig auf das Leid, das täglich geschieht, er lenkt unseren Blick zum Kreuz. Wegschauen geht nicht, wenn wir nicht in einer Welt der Täuschung und Verdrängung leben wollen.

Martin Luther, der Reformator, dessen Wirken sich in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, hat diesen verständlichen Wunsch, die Schmerzen und das Leiden nicht wahrhaben zu wollen, eine Theologie der Herrlichkeit genannt. 1518 schreibt er: „Der Theologe der Herrlichkeit nennt das Schlechte gut und das Gute schlecht; der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge beim richtigen Namen.“

Die Dinge beim richtigen Namen nennen, heißt hinzuschauen, wo Menschen Unrecht getan wird, wo Menschen leiden. Schönfärberei hilft nicht.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Die Dinge beim richtigen Namen nennen, heißt hinzuschauen, wo Menschen Unrecht getan wird, wo Menschen leiden. Schönfärberei hilft nicht. Hoffnung kann wachsen, wo die Dinge beim richtigen Namen genannt werden. Hoffnung braucht ein Ja. Und dieses Ja, das sagt uns Gott an diesem dunkelsten aller Feiertag. Gott selbst hat sich in das Leiden begeben, um nicht über den Menschen zu thronen, sondern als leidensfähiger Mensch mitten untern ihnen zu sein. Denn nur wer das Dunkel nicht verschweigt, kennt die Kraft des Lichts.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".