Von Gott und der Welt

Das Grab im Meer

Das Mittelmeer ist zum Grab geworden. Mehr als 130 Opfer forderte die Brandkatastrophe auf einem Flüchtlingsschiff vor der Küste Lampedusas. Es ist nicht das erste Mal.

05.10.2013
Schwimmwesten, die auf einen Haufen am Boden liegen (Foto: Ben Nausner)
Das Mittelmeer ist zum Grab geworden. Mehr als 130 Opfer forderte die Brandkatastrophe auf einem Flüchtlingsschiff vor der Küste Lampedusas (Foto: Ben Nausner)

Tausende sind in den letzten Jahren, auf nicht seetaugliche alte Kutter gepfercht, im Mittelmeer ums Leben gekommen. Sie haben ihr Heil in der Flucht gesucht und den Tod gefunden. Tausende Männer, Frauen und diesmal auch Kinder. Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, spricht von Horror, der sich vor der Küste ihrer Insel abspielt und appelliert an die europäische Solidarität. Papst Franziskus ruft zum Gebet für die Opfer und Überlebenden auf. Das Gebet tut Not. Beten ist eine Hilferuf und ein Umdenken.

„Wir müssen unsere Anstrengungen bündeln, dass solche Tragödien nicht mehr stattfinden. Nur eine entschiedene Zusammenarbeit von allen kann helfen und solche Tragödien zukünftig verhindern!“ so der Papst. „Mir fällt nur das Wort Schande ein, es ist eine Schande!“

Wenn die Staaten der Europäischen Union weiterhin nur auf Abschottung setzen, dann sind die nächsten Toten vorprogrammiert und das Mittelmeer bleibt weiter ein Schlachthaus.
Michael Chalupka, Diakonie-Direktor

Dem Gebet müssen Taten folgen. Es braucht sichere Korridore für Flüchtlinge, damit sie sich nicht länger ausbeuterischen, mörderischen Schleppern an den Hals verwerfen müssen. Es braucht mehr Hilfe in den Flüchtlingslagern, die die Krisenregionen umgeben, die tausendmal mehr Flüchtlinge aufgenommen haben als Europa. Wenn die Staaten der Europäischen Union weiterhin nur auf Abschottung setzen, dann sind die nächsten Toten vorprogrammiert und das Mittelmeer bleibt weiter ein Schlachthaus.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".