Von Gott und der Welt

Das Buch des Lebens

Zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte wussten wir mehr über uns selbst und die Welt als heute.

09.12.2017
Lamm Gottes, Gemälde von Francisco de Zurbarán, spanischer Barockmaler
Lamm Gottes, von Francisco de Zurbarán, spanischer Barockmaler

Das Buch des Lebens liegt vor uns. Zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte wussten wir mehr über uns selbst und die Welt als heute. Unser Erbgut ist entschlüsselt. Jede und jeder kann im Internet eine DNA- Analyse bestellen und kennt dann seine Vorfahren oder genetische Risikofaktoren. Wir wissen auch über die Ursachen des Klimawandels Bescheid. Unter den Klimaforschern herrscht Einigkeit, dass es großer Anstrengungen bedarf, das Ruder herumzureißen, um der Klimakatastrophe zu entgehen.

Und doch herrscht Ratlosigkeit: Wie kann es weiter gehen? Was fangen wir mit unserem Wissen an? Was ist zu tun?

Die Zukunft scheint ein Buch mit „sieben Siegeln“ zu sein, verschlossen und bedrohlich, wie es im letzten Buch der Bibel, der Apokalypse, steht.

Dort steht aber auch, dass nicht die Gelehrten, die Politiker oder spirituelle Führer, das Buch öffnen können, sondern nur das Lamm Gottes.

In diesem Bild liegt der Schlüssel, wie die Welt besser verstanden werden kann:

Das Buch des Lebens will aus der Perspektive der Schwachen, unserer Kinder und Enkelkinder, gelesen werden.
Michael Chalupka

Der Klimawandel und seine Folgen kann nur aus der Perspektive der kleinen Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeres überflutet zu werden drohen, so verstanden werden, dass ein radikales Umdenken einsetzt. Und das Wissen über unser Genom soll Kranken helfen, aber nicht zur Phantasie des perfekten Menschen führen.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".