Hoffnung braucht ein Ja!

„Da ist man jahrelang derjenige, der andere bei sich zuhause aufnimmt. Und plötzlich wird man zum Flüchtling."

Ibrahim Khater lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit wenigen Monaten gemeinsam in Österreich. Nach einer schweren Zeit der Trennung - Ibrahim ist allein geflohen und konnte seine Lieben später auf dem sicheren Weg nachholen - hatte die Familie Glück: Sie alle haben bereits einen gesicherten Status als anerkannte Flüchtlinge und sie leben in einer kleinen Wohnung in Wien.

08.11.2015
Ibrahim gibt sein Ja für mehr Hoffnung
Ibrahim Khater lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit wenigen Monaten gemeinsam in Österreich. (Foto: Christian Stempfer)

 „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Zuerst, als wir herkamen, war es schwer, weil wir fremd waren. Bis heute gibt es Menschen, die uns mit Angst begegnen. Vielleicht glauben sie, wir sind gefährlich, weil sie uns nicht kennen. Aber wir sind nur hier, weil wir Sicherheit für uns und unsere Kinder brauchen. Nicht weil wir von zuhause weggehen wollten!

Nach vorne schauen

Ich komme aus einem Land, wo wir in den letzten 10 Jahren und länger so viele Menschen aus den umliegenden Ländern aufgenommen haben, weil sie aus dem Krieg gekommen sind. Aus den Libanon, Irak, Afghanistan und aus anderen Ländern. Ich habe in Syrien eine libanesische Familie in unserem Haus aufgenommen und wir wussten nicht, wie lang sie bleiben würden. Aber sie waren aus ähnlichen Kulturen gekommen. Und jetzt haben wir die umgekehrte Situation. Und wir können es nicht ändern!

Was uns im letzten Jahr passiert ist, war sehr schwer. Man muss sich vorstellen: Da ist man jahrelang derjenige, der andere aufnimmt. Und plötzlich wird man zum Flüchtling. Damit hat keiner gerechnet! Bis heute können wir uns damit nicht wirklich abfinden. Aber wir müssen nach vorne schauen. Wir haben eine Familie, wir haben kleine Kinder. Ich bin jetzt 35 Jahre alt, ich habe studiert, war Personalchef in einem großen Hotel, verantwortlich für 150 MitarbeiterInnen. Und hier muss ich jetzt bei null anfangen.

Nicht allein sein

In Österreich haben uns schon so viele Menschen geholfen. Die Diakonie hat uns so oft gezeigt, dass wir nicht allein sind. Ich habe immer das Gefühl, unsere Beraterin macht alles was in ihrer Macht steht, um uns zu helfen. Es fühlt sich an wie Familie, vor allem, wenn sie mich zwischendurch anruft oder mir SMS schickt, um zu fragen, wie es uns geht!

Wir fühlen uns als Familie jetzt schon recht wohl. Die Schule und der Kindergarten unterstützen uns sehr gut. Auch die Lehrerin meiner Töchter schickt mir immer wieder Nachrichten, um mir zu sagen, wo es Möglichkeiten gibt, Deutsch zu lernen, und um mich zu fragen, ob wir Hilfe brauchen.

Ich glaube, wir werden es schaffen, uns hier in Österreich ein gutes Leben aufzubauen.“

Es ist ihm wichtig, etwas zurück zu geben, hat er von Anfang an gesagt. Zuletzt hat uns die Nachricht erreicht, dass Ibrahim Khater als freiwilliger Helfer in einer Sozial- und Rechtsberatungsstelle der Diakonie als Dolmetsch für Englisch-Arabisch aushilft.

Hoffnung braucht ein Ja!

Die Diakonie ist Hoffnungsträger für Ibrahim. Ibrahim ist Hoffnungsträger für uns.
Werde #Hoffnungsträger und #Hoffnungsträgerin!