"Wir wollen doch nur in Sicherheit leben können"

Erstellt von Ben Nausner, am 11. Dezember 2015.
Tags: Syrien, Flüchtlinge, Diakonie Katastrophenhilfe, Katastrophenhilfe
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630.000 syrische Flüchtlinge sind derzeit in Jordanien registriert. Die meisten von ihnen leben nicht in den großen Flüchtlingslagern, sondern in Privatquartieren. Dabei werden sie von der Diakonie Katastrophenhilfe durch Mietzuschüsse unterstützt. Ben Nausner, Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe, war vor kurzem in Jordanien und schildert seine Eindrücke.
Khalil, Nhala und ihre Kinder in ihrer Wohnung
Khalil, Nhala und ihre Kinder

 „Vor knapp 3 Jahren haben wir noch als eine Bauersfamilie in einem guten Haus in Aleppo gelebt“ berichtet Khalil (42). Der Krieg in Syrien hat ihn und seine Familie zur Flucht gezwungen. „Auf den Straßen war Tod und Zerstörung. Wir waren nicht mehr sicher“ erzählt der Vater von sechs Kindern. Heute leben sie in einer baufälligen 2-Zimmer-Mietwohnung in einer Nachbarschaft von East Amman in der hauptsächlich syrische Flüchtlinge wohnen.

Der Verputz bröckelt von der Decke, es ist feucht und ein notdürftig vor der Kälte abgedichtetes Zimmer ist der einzige Rückzugsort für die Großfamilie. In den vergangenen 2 Jahren haben sie alle ihre Ersparnisse aufgebraucht. Nur mit der zusätzlichen Arbeitskraft ihrer drei minderjährigen Söhne (10, 11 und 12 Jahre) können sie sich noch Miete und Nahrungsmittel leisten. Für Khalil ist es nicht mehr möglich zu arbeiten: „Ich habe einen kaputten Rücken und wurde bereits zweimal erwischt als ich einer Arbeit nachgegangen bin. Noch einmal und ich werde nach Syrien abgeschoben“ berichtet er.

Aktuell leben mehr als 85% der 630.000 offiziell in Jordanien registrierten syrischen Flüchtlinge außerhalb der großen Flüchtlingslager.

Über den Libanon nach Jordanien

Nhala (32), seine Frau, hört mit starrem Blick den Schilderungen ihres Mannes zu und hält dabei ihre beiden Töchter Fatima (3) und Jaziah (6) im Arm. Gemeinsam mit den sechs Kindern musste sie alleine aus Syrien über den Libanon nach Jordanien flüchten. Ihr Mann war vorausgeflüchtet, um eine sichere Bleibe für die Familie zu finden. Aus ihrem Blick lässt sich nur erahnen welche Strapazen sie dabei durchleben mussten.

„Die Lebensbedingungen hier sind sehr schwierig. Wir sind dankbar dafür, dass unsere Söhne hier zumindest in die Schule gehen können, aber auch dort werden sie immer wieder bedroht von ihren Mitschülern und haben Angst“ erzählt der Vater. Früher hatten sie in einem besseren Viertel von Amman gewohnt, aber das können sie sich nicht mehr leisten.

„Wir wollen doch nur in Sicherheit leben können. Wir brauchen nicht viel uns reicht ein Zelt und vielleicht ein wenig Land auf dem wir etwas anbauen können.“

85% der Flüchtlinge außerhalb der Lager

Aktuell leben mehr als 85% der 630.000 offiziell in Jordanien registrierten syrischen Flüchtlinge außerhalb der großen Flüchtlingslager. Die täglichen Herausforderungen mit denen sie konfrontiert sind, ähneln jenen von Khalil und seiner Familie: Mit kaum bis wenigen Einkommen kämpfen sie ums Überleben.

 

"Ein Zelt und ein wenig Land..."

Um den mühseligen Alltag bewältigen zu können erhält die Familie vom lokalen Partner (IOCC) der Diakonie Katastrophenhilfe Mietunterstützung. Für einen Zeitraum von 3 Monaten kann so die Last, die auf den Schultern der Eltern liegt, ein Stück weit verringert werden.  In den kommenden Wochen und mit dem herannahenden Winter wird die Diakonie Katastrophenhilfe in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern weitere Unterstützung für syrische und jordanische Gastgeber-Familien bereitstellen.

Angesprochen auf ihre Hoffnungen für die Zukunft sind sie sich einig: „Wir wollen doch nur in Sicherheit leben können. Wir brauchen nicht viel. Uns reicht ein Zelt und vielleicht ein wenig Land auf dem wir etwas anbauen können.“

So hilft die Diakonie Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe betreibt mehrere Projekte für syrische Flüchtlinge in Jordanien, dem Libanon und der Türkei. Dazu zählen Nothilfe, Suppenküchen, psychosoziale Dienste oder die Unterstützung von Flüchtlingskindern und ihren Müttern. Eine vollständige Aufzählung finden Sie hier.

Diese Projekte leben von Ihrer Unterstützung. Hoffnung braucht ein Ja!

Jeder Beitrag zählt!

Schon mit einem kleinen Beitrag könnt ihr die Arbeit unserer lokalen Partner unterstützen:
++ Eine Wolldecke kostet 12,- Euro. 
++ Ein Winterschlafsack kostet 15,- Euro.
++ Eine Spende von 50,- Euro sichert die Verteilung eines Pakets mit wärmender Kleidung für ein Kleinkind.   
++ Mit 130,- Euro decken Sie die Kosten für ein Winterpaket, um eine Familie mit Decken, warmer Kleidung und Heizmaterial zu versorgen.

 

Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsprojekte für Kriegsflüchtlinge!