Selbstbestimmt mit Hilfe von Technik

Erstellt von Roberta Rastl-Kircher, am 15. Februar 2016.
Tags: Behinderung, Spenden, Inklusion, LIFEtool, Unternehmenskooperation
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Mehr als 630.000 Menschen in Österreich leben mit Behinderungen – fast jeder Zehnte davon ist in der Fähigkeit zu sprechen beeinträchtigt. Dank des VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie können wir rund 100 Betroffene im Jahr in der Anschaffung von Sprechhilfsmitteln finanziell unterstützten.
LifeTool Wien: Assistierende Technologie
LifeTool Wien: Assistierende Technologie

Obwohl Kommunikation ein lebensnotwendiges Grundbedürfnis und die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderungen in die Gesellschaft ist, bleibt vielen dieses Grundrecht verwehrt. Denn gesetzlich ist der Anspruch auf Assistierende Technologien und Unterstütze Kommunikation in Österreich noch nicht verankert. Ein „Sprechhilfsmittel“ kostet zwischen 400 Euro und 18.000 Euro und viele können die Kosten dafür nicht aufbringen.

Bis diese Lücke in der Sozialpolitik geschlossen ist, gewährleistet der „Verbund Empowement Fund“ der Diakonie gemeinsam mit dem LIFEtool Beratungsnetzwerk ein Angebot für Menschen, die sich nicht oder nur eingeschränkt lautsprachlich mitteilen können.

VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie

Die Diakonie hat im Jahr 2009 gemeinsam mit dem Verbund den "VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie" ins Leben gerufen. Der Fonds kommt Menschen mit Sprachbehinderung zu Gute und verhilft zu einem möglichst selbstbestimmten Leben.

Jährlich beraten wir aus dem Fonds-Mitteln rund 500 Menschen mit Behinderung zu Unterstützter Kommunikation und Assistierender Technologien direkt. Zudem informieren wir pro Jahr rund 1.100 MultiplikatorInnen, u.a. zum Thema Frühförderung für Kinder mit Behinderungen.

Dank des Soforthilfefonds können wir rund 100 Betroffene im Jahr in der Anschaffung von Sprechhilfsmitteln finanziell unterstützten.

Sie möchten helfen? Hier können Sie online spenden.

Hintergrundinfos auf einen Blick!

Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)?

UK geht davon aus, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach Kontakt und Kommunikation sowie das Recht auf Selbstbestimmung hat. UK beschreibt daher verschiedene Methoden, die Kommunikation ermöglichen können, auch unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln. Elemente der Unterstützten Kommunikation können Blickbewegungen, Mimik, Zeigebewegungen, Körperbewegungen, Gebärden, Fingeralphabete sein. Nichtelektronische Hilfsmittel, die in der Unterstützten Kommunikation verwendet werden, sind etwa Kommunikationstafeln, Thementafeln, einzelne Bild- oder Wortkarten.

Was sind Assistierende Technologien (AT)?

AT sind technische Hilfsmittel, die zur Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Ausdrucksmöglichkeiten eines Menschen führen und Funktionseinschränkungen ausgleichen helfen. Solche Technologien sind sprechende Tasten, Pupillensteuerungen, Sprachausgabegeräte, schrift-sprachbasierte Kommunikationshilfen oder auch iPads bzw. Tablet-PCs. AT dienen dazu, Lebensqualität und Selbstbestimmung durch Barrierefreiheit zu ermöglichen. Wesentlich ist, dass Betroffene in die Entwicklung von AT einbezogen werden müssen, um zu gewährleisten, dass Geräte sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen.

Wer ist betroffen?

Laut dem österreichischen Behindertenbericht leben etwa 63.000 Menschen mit Einschränkungen in der Lautsprache. Die Ursachen für die Beeinträchtigungen sind vielfältig. Sie können angeboren sein, etwa durch infantile Cerebralparese, fortschreitend wie bei multipler Sklerose, erworben wie bei einer Lähmung durch Schlaganfall, oder es handelt sich um eine vorübergehende Sprachbeeinträchtigung nach einem Unfall. Betroffen sind auch die rund 190.000 Angehörigen, die meist unterstützend im
Alltag tätig sind. Die Herausforderungen, um überhaupt zu Geräten zu kommen, liegen dabei immer wieder in den vielfältigen Zuständigkeit:

Vor allem die unterschiedlichen Zuständigkeiten führen in Österreich dazu, dass Anträge auf elektronische Hilfsmittel eher Spießrutenläufe als Behördengänge sind. Nicht nur die Kranken- und Unfallversicherung, auch die Pensionsversicherung, die Sozialabteilungen der Bundesländer sowie das Bundessozialamt sind für die Bewilligung und Beschaffung von Hilfsmitteln zuständig. Bei der Finanzierung wird zudem noch von freien Trägern oder sozialen Wohlfahrtsorganisationen geholfen.

Was sagt die UN-Konvention zu Unterstützter Kommunikation?

Die „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ wurde in Österreich im Jahr 2008 ratifiziert und geht in mehreren Artikeln auf die Verpflichtung der Staaten zur Förderung von Kommunikationstechnologien ein. Dabei stellt die UN-Konvention klar, dass Kommunikation nicht nur Sprache, Textdarstellungen und Brailleschrift einschließt, sondern auch durch Informations- und Kommunikationstechnologien gewährleistet werden kann. Der Anspruch darauf zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vertragstext.

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