Hier bin ich. Ich bin bereit.

Erstellt von Michael Chalupka, am 12. November 2016.
Tags: Musik, Religion, Kolumne - Von Gott und der Welt
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Gott hat sich verdunkelt. Leonard Cohen ist tot. In einem letzten seiner Lieder „You want it Darker!“ hat er davon gesungen. „Du willst es dunkler. Wir löschten die Flamme. Hier bin ich. Ich bin bereit, oh Herr.“
Blick auf eine Hand, die Gitarre spielt (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay
Gott hat sich verdunkelt. Leonard Cohen ist tot. In einem letzten seiner Lieder „You want it Darker!“ hat er davon gesungen. „Du willst es dunkler. Wir löschten die Flamme. Hier bin ich. Ich bin bereit, oh Herr.“
Blick auf eine Hand, die Gitarre spielt (Foto: Pixabay)
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Leonard Cohen, der große kanadische Poet und Sänger, hat mit diesem letzten Lied Abschied genommen von seinen Hörern, seiner Lesern, seinen Bewunderern, denen er selbst oft ein Geheimnis geblieben ist, in seinen dunklen, enigmatischen Botschaften von Liebe und Leid, voller biblischer Bezüge, die sich nicht leicht erschließen.

Cohen nimmt Abschied von dieser Welt und tritt vor den, den er anspricht mit den hebräischen Worten, Hineni, Hineni. Hier bin ich! Mit den Worten die Mose vor dem brennenden Dornbusch gesprochen hat und mit den Worten mit denen Abraham sein Leben und das Leben seines Sohnes in Gottes Hand gegeben hat und errettet wurde. Leonard Cohen zitiert in seinem letzten Song nicht nur die Geschichte Isaaks, sondern wörtlich auch eine Zeile des großen jüdischen Heiligungsgebets des Kaddisch, das im Gottesdienst und am Grab zum Totengedenken gebetet wird. „Gelobt und geheiligt werde dein Heiliger Name“. Begleitet wird Leonard Cohen vom Chor der orthodoxen Synagoge Shaar HaShamayim, der von seinem Vater und seinem Großvater geleitet wurde. „Hineni, Hineni – Hier bin ich, Hier bin ich.“

Leonard Cohen ist nicht mehr unter uns. Er tritt aus dem Dunkel. Möge der Herr sein  Angesicht leuchten lassen über ihm.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".