Gott auf unserer Seite

Erstellt von Michael Chalupka, am 15. Oktober 2016.
Tags: Musik, Kolumne - Von Gott und der Welt, Religion
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Hat Bob Dylan den Literaturnobelpreis verdient? Diese Frage spaltet die Kritiker. Die einen halten ihn für einen großen Lyriker, der seine Texte eben singt, die anderen für einen Liedermacher weit ab vom Literaturbetrieb.
Blick auf eine Hand, die Gitarre spielt (Foto: Pixabay)
Foto: Pixabay
Hat Bob Dylan den Literaturnobelpreis verdient? Diese Frage spaltet die Kritiker. Die einen halten ihn für einen großen Lyriker, der seine Texte eben singt, die anderen für einen Liedermacher weit ab vom Literaturbetrieb.
Blick auf eine Hand, die Gitarre spielt (Foto: Pixabay)

Literatur unterscheidet von simplen Texten, dass sie Einsichten des Lebens verdichtet und Aussichten eröffnet, die naheliegen, aber nicht offensichtlich sind. Gute Literatur lässt uns immer weiter denken als zuvor.

In seinem Lied „With God on Our Side – „Gott ist auf unserer Seite“ erzählt Bob Dylan in sieben Strophen von den Kriegen der USA und was er als Schüler gelernt hat: dass diese Kriege, vom Sezessionskrieg bis zum zweiten Weltkrieg, ihre Gründe gehabt haben mögen, aber die kritischen Fragen, die sich stellten, mit der Formel „Gott ist auf unserer Seite“ beiseite gewischt wurden.

If God’s on our side, he’ll stop the next war.
Bob Dylan, With God on Our Side

In der achten Strophe erzählt er von Judas, der Jesus mit einem Kuss betrogen hat, in der Überzeugung Gottes Willen zu erfüllen. „Hatte Judas Gott auf seiner Seite?“ fragt Bob Dylan.

In einer einzigen Strophe entlarvt der Dichter das Denken, dass, wer Gott an seiner Seite wähnt und für sich reklamiert, meint, er könne dadurch unschuldig bleiben und sein Gewissen entlasten.

Das Lied, das Gedicht endet mit den Worten: „Wenn Gott an unserer Seite ist, wird er den nächsten Krieg beenden.“ Und Bob Dylan beendet ein für allemal das Denken, dass Gott an der Seite des Krieges zu finden ist. Schon allein dafür gebührt ihm der Nobelpreis.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".