Der Wille zur Hoffnung

Erstellt von Michael Chalupka, am 19. November 2016.
Tags: Kolumne - Von Gott und der Welt
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„Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“, könnte man den Eindruck haben. Kriege vor unserer Haustür, ein US-Präsident, der ein sprunghafter Narziss ist und wenig Vertrauen in die Zukunft vermitteln kann – es gibt genügend Gründe, um pessimistisch zu sein.
Diakonie Direktor Michael Chalupka
Diakonie Direktor Michael Chalupka (Foto: Luiza Puiu)
„Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“, könnte man den Eindruck haben. Kriege vor unserer Haustür, ein US-Präsident, der ein sprunghafter Narziss ist und wenig Vertrauen in die Zukunft vermitteln kann – es gibt genügend Gründe, um pessimistisch zu sein.
Der Refrain: „Die Welt steht auf kein‘ Fall mehr lang“ stammt aus der Hymne des Pessimismus, dem Kometenlied, das Johann Nestroy 1833 verfasst hat. Und die Welt steht immer noch. Das allein kann uns auch nicht optimistischer stimmen. Doch Optimismus tut not in unsicheren Zeiten. „Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren, eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft, Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.“ Das schreibt der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer in einer Situation, die trister nicht sein konnte: in den Kerkern der Nationalsozialisten. „Den Optimismus als Willen zur Zukunft soll niemand verächtlich machen, auch wenn er hundertmal irrt. Er ist die Gesundheit des Lebens, die der Kranke nicht anstecken soll. Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“ Optimismus ist nicht naiv, wenn er als Wille zur Zukunft verstanden wird. Die Kolumne "Von Gott und der Welt" erscheint jeden Samstag in der Krone.