Als Flüchtling geboren

Erstellt von Ben Nausner, am 18. Dezember 2015.
Tags: Syrien, Diakonie Katastrophenhilfe, Katastrophenhilfe, Kinder, Gesundheit, Essen
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Gerade einmal 24 Stunden ist die kleine Mona alt, als wir sie im Al Mayyas Hussein Krankenhaus im Bekaa Tal, Libanon besuchen. Mit schwarzem, dichten Haar liegt die Kleine im Arm ihrer Mutter in einem Zweibettzimmer der Geburtenstation. Sie ist unruhig und quengelt. Mona kam als Flüchtlingskind zur Welt.
Zeinab H. ist Mitarbeiterin der lokalen Partnerorganisation (IOCC) der Diakonie hält ein Neugeborenes.
Laut UNICEF wird jedes achte Neugeborene wird in Konfliktgebieten geboren. (Foto: Ben Nausner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Ihre Familie ist vor 2 Jahren aus der syrischen Stadt Hama vor den Kämpfen und Bombardierungen in ihrer Umgebung in den Libanon geflüchtet und lebt seitdem in einem der inoffiziellen Flüchtlingscamps im Bekaa Tal. Mehr als 400.000 syrische Flüchtlinge haben sich bisher in einer der ärmsten Regionen des Libanons niedergelassen.

Vorsorgliche Beratung von Müttern und Säuglingen

Zeinab H. ist Mitarbeiterin der lokalen Partnerorganisation (IOCC) der Diakonie. Sie ist Ernährungs- und Stillberaterin und berät schwangere syrische Frauen und Mütter bei der Säuglingspflege und deren Versorgung. Nachdem sie sich der Mutter von Mona vorgestellt hat, schafft sie es mit ihrer herzlichen Art innerhalb weniger Sekunden eine Beziehung zu ihr aufzubauen und mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Ich habe ihr gestern nur kurz Milch geben können. Seitdem geht es einfach nicht mehr“, erzählt die Mutter und übertönt dabei das hungrige Schreien ihres Babys. Nach nur wenigen Minuten hat Zeinab durch gezielte Beratung das Problem gelöst und Mona liegt unter einer Decke verhüllt zufrieden an der Brust ihrer Mutter und trinkt die nahrhafte Muttermilch.

Zeinab H. ist Mitarbeiterin der lokalen Partnerorganisation (IOCC) der Diakonie und erzählt von der Arbeit auf der Säuglingsstation.

„Gerade die ersten Monate sind unglaublich wichtig, damit die Säuglinge ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden und stark werden. Viele der Frauen haben nur begrenzten Zugang zu sauberem Trinkwasser oder sind traumatisiert vom Erlebten“, erzählt Zeinab aus ihrer Erfahrung und nimmt Mona auf den Arm, um der Mutter Haltetechniken zu demonstrieren.

Derzeit werden nur knapp 50% der Säuglinge im Libanon von ihren Müttern gestillt. Durch die Beratung der  Mitarbeiterinnen von IOCC lernen sie mit einfachen Handgriffen und aus persönlichen Gesprächen, oder Workshops für größere Gruppen wie sie ihre Kinder bestmöglich versorgen können und den Alltag in der schwierigen Situation, in der sie als Flüchtlinge leben, zu bewältigen.

„Unsere Arbeit ist eine Vorsorgehilfe. Die Kinder werden seltener krank, haben ein gutes Immunsystem und auf längere Sicht sind sie nicht von Mangelernährung bedroht und können­ besser in ihrem Umfeld bestehen“, ergänzt Zeinab.

Seit Jahren auf der Flucht

Je länger das Beratungsgespräch dauert, umso mehr wächst das Vertrauen der Mutter und sie stellt Fragen zur richtigen Ernährung ihres Säuglings. Gleichzeitig erfahren wir von den schwierigen Lebensbedingungen, in denen die Familie lebt.  Das Geld für die Geburt (USD 730) mussten sie ausborgen. Mit dem geringen Einkommen, das der Vater als Bauarbeiter schwarz verdient, können sie nur schwer überleben. Der Schuldenberg wächst mit jedem Tag weiter. Diese und ähnliche Geschichten über das Leben als Flüchtling im Libanon wiederholen sich, als wir mit weiteren Frauen auf der Geburtenstation ins Gespräch kommen. Das Leben auf der Flucht ist nach 2 oder 3 Jahren schon längst zu einem Kampf ums Überleben geworden. Die vorhandenen Ressourcen und Ersparnisse sind aufgebraucht.

Nirgends sonst im Libanon erleben wir so intensiv, wie nahe Freude und Leid liegen können. Einerseits die Freude über ein neugeborenes Leben, andererseits die Angst vor einer ungewissen Zukunft und dem beschwerlichen Alltag als Flüchtling. Allein am Tag des Besuchs im Krankenhaus wurden auf der Geburtenstation 20 Kinder von syrischen Frauen zur Welt gebracht. Wir wissen, dass Zeinab und ihre Kolleginnen von IOCC in den kommenden Monaten vor Ort dringend gebraucht werden und mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft dieser Kinder leisten.

Jeder Beitrag zählt!

Schon mit einem kleinen Beitrag könnt ihr die Arbeit unserer lokalen Partner unterstützen:
36,- Euro = Aufbaunahrung für ein mangelernährtes Kind ein Monat lang

112,- Euro = 2 Winter-Hilfspakete (Decken, Schlafmatten & Heizmaterial)

 

Bitte unterstützen Sie unsere Hilfsprojekte für Kriegsflüchtlinge!