Von Gott und der Welt

Benoits großer Tag

Morgen ist Benoits großer Tag. Morgen steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit.

28.03.2015
Esel auf einer grünen Wiese (Foto: Pixabay)

Benoit wird dem kleinen Zug der Palmsonntagsprozession vorangehen, vorsichtig seine Schritte auf die Palmblätter setzen. Morgen wird er sich nicht schmutzig machen. Benoit ist ein Esel, er arbeitet seit dem Erdbeben vor mehr als fünf Jahren für die Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti. Benoit geht dorthin, wo sonst keiner hinkommt  – kein Truck, kein Caterpillar. Benoit arbeitet im Schatten der Weltöffentlichkeit, doch die Menschen kennen ihn. Kommt Benoit, kommt Hilfe. Doch morgen ist Palmsonntag, da arbeiten selbst Esel nicht.

Am Palmsonntag spielen Esel die Hauptrolle. Benoit tut das mit Stolz in Bainet an der Südküste Haitis. Esel gelten als einfältig. Aber sie haben einen untrüglichen Sinn für den richtigen Weg. Sie tragen große Lasten. Wer auf ihnen reitet, braucht Zeit, hat den Überblick, hört und sieht die Menschen am Wegesrand. Jesus von Nazareth ritt, der Verheißung im Ersten Testament der Bibel folgend, auf einer Eselin in Jerusalem ein. Benoit, der Esel aus Bainet, ist heute Teil der Palmsonntagprozession, die an den Retter der Welt erinnert, der sich einer Eselin anvertraut hat. Der Esel ist kein königliches Symbol. Wer auf ihm reitet, will nicht Macht und Stolz ausstrahlen. Der auf ihm reitet, ist dem Erdboden nah, hat einen offenen Blick und Zeit, um mit den Menschen, an denen er vorbereitet, mehr als ein paar Worte zu wechseln.

„Von Gott und der Welt“, die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der „Krone".

Erdbeben in Haiti

Etwa 250.000 Menschen kamen beim verheerenden Erdbeben am 12.Jänner 2010 ums Leben, mehr als 1,3 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause. Aufgrund der mangelnden Infrastruktur und die dadurch erschwerten Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten, war das Beben verheerend. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner waren sofort vor Ort und im Einsatz. Soforthilfe, Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge – auf diese drei Pfeiler stützte sich die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti.