Von Gott und der Welt

Bär ohne Gnade

In einem alten Fotoalbum habe ich eine Bild gefunden, das vielleicht meine Reserviertheit gegenüber dem Treiben der Faschingszeit erklärt.

03.02.2018
Den Fasching geniessen, Krapfen essen

Da sieht man einen sechsjährigen Buben, der eine Kopfbedeckung aus braunem Krepppapier mit großen weißen Ohren trägt und dazu eine passende Halskrause. Das Kind im Faschingskostüm war ich.

Das Erstaunliche auf dem Foto ist, dass das Kind nicht lacht, sondern eher erschrocken in die Kamera schaut und alle anderen Kinder der Klasse dasselbe Bärenkostüm tragen und niemand lacht – nicht ein einziges Kind! Die Lehrerin hat wohl eine Idee gehabt, und der Fotograf muss die Kinder erschreckt haben.

Vielleicht stammt die Skepsis dem Fasching gegenüber aber auch aus der evangelischen Tradition. Martin Luther hat den Fasching verboten und sich gegen das wilde Treiben ausgesprochen, da ja auch dem auf die Fastnacht folgenden Fasten keine Heilsbedeutung mehr zugeschrieben wurde.

Martin Luther sah das Lachen als ein Zeichen göttlicher Gnade und als Gegenmittel gegen den Teufel an
Michael Chalupka

Doch humorlos war Luther nicht. Martin Luther sah das Lachen als ein Zeichen göttlicher Gnade und als Gegenmittel gegen den Teufel an: „Verlacht den Feind und sucht Euch jemand, mit dem Ihr plaudern könnt. Man muss bisweilen mehr trinken, spielen, Kurzweil treiben und dabei sogar irgendeine Sünde riskieren, um dem Teufel Abscheu und Verachtung zu zeigen."

Der Fasching als Zeichen göttlicher Gnade gefällt mir. Es ist noch bis zum Aschermittwoch Zeit, den Fasching zu genießen. Es muss ja nicht im Bärenkostüm aus Krepppapier sein.