Arbeit mit autistischen Kindern in der Schule

Autismus-Betreuung: Erfahrungsbericht einer Lehrerin

Kinder und Jugendliche mit Autismus oder Autismus-Spektrum-Störungen sind alle unterschiedlich und einzigartig. Sobald man dies verstanden hat, ist bereits ein großer Schritt geschehen, um sie verstehen zu können.

29.03.2016
Eine Kreidenzeichnung auf einer Schultafel (Foto: Fotolia/Mark Yuill)
Schule: Normal ist, verschieden zu sein (Foto: Fotolia)

von Daniela Neudorfer

Viele Menschen leben mit der Vorstellung, dass Autismus sich immer in Form von sozialer Isolierung zeigt. Diese Form ist allerdings nur eine von vielen möglichen Ausprägungen.

Eine der wichtigsten Auffälligkeiten im Zusammenleben mit Kindern mit Autismus oder Autismus-Spektrum-Störungen ist, dass sie sich oft schwer tun, dass Verhalten anderer zu deuten. Das muss in der Schule den anderen Kindern im Klassenzimmer verständlich gemacht werden. Denn es ist z.B. der Grund, warum von einem solchen Kind keine Entschuldigung für eine Verfehlung, oder keine aufbauenden Worte in schwierigen Situationen kommen.

Langsame Veränderungen bringen große Freude

Am Beginn meiner Arbeit (ich sollte die Betreuung für Patrick*, einen Jungen mit Autismus in der 2. Klasse Gymnasium übernehmen) war es für mich am wichtigsten, Fortschritten Raum und Entwicklungen Zeit zu geben. Bei dieser Arbeit kann nicht auf Wunder in kürzester Zeit gehofft werden, sondern man muss sich mit kleinsten Veränderungen zufrieden geben.

Kinder beim Lernen
Im Evangelischen Realgymnasium in Wien Donaustadt gibt es viel Raum für alternative Lernformen

Daher war es für mich einer der schönsten Momente, als mich Patrick eines Morgens freudestrahlend begrüßte, und mich offen in der Klasse willkommen hieß. Warum diese Freude?

Nun: davor hatte Patrick meine Ankunft in der Klasse mit dem Unterrichtsbeginn - also negativ - assoziiert. Diese Konditionierung dürfte sich aber gelöst haben, und er scheint nun das Gefühl zu haben, dass ich zu seiner Unterstützung in der Klasse bin.

Ein zweites Beispiel für eine wunderbare Veränderung war, als er das erste Mal in der Klasse lautstark meine Hilfe in Anspruch genommen hat. Zuvor hatte er lediglich zaghaft die Hand gehoben und verlegen in eine Ecke gesehen, um zu vermeiden, dass irgendjemand aus der Klasse bemerkt, dass er offensichtlich Hilfe braucht. In diesem Fall hatte er laut meinen Namen genannt, mit der Bitte: „Ich brauche hier Hilfe, könnten Sie mir dabei helfen?“

Durch die konstante und intensive Beschäftigung individuell mit Patrick, und durch das stetige Feedback zu seinem Verhalten, konnte er mittlerweile sein Sozialverhalten stark verbessern.

Nun ist es viel einfacher geworden, Patrick in das Klassengefüge einzubinden. Und er wird auch von seinen MitschülerInnen schon aktiv zur Mitarbeit in ihren Arbeitsgruppen aufgefordert.

Es ist eine Freude zu sehen, wie sich viele kleine Schritte in der Entwicklung zu einem großen Fortschritt aufsummiert haben. Weiterhin wird es spannend sein zu sehen, wie sich diese Entwicklung fortsetzt.

*Name geändert

Aktion zum Welt-Autismus-Tag

In der Nacht von 1. auf 2. April werden auf der ganzen Welt Gebäude blau beleuchtet. Es ist ein Zeichen der Solidarität mit Menschen mit Autismus und mit deren Angehörigen. Mehr Infos hier!