Von Gott und der Welt

175 Jahre Hoffnungsträger

Der Adventkranz feiert Geburtstag. Morgen am ersten Advent wird der Kranz, der uns die dunkle Zeit bis Weihnachten erhellt 175 Jahre alt.

29.11.2014
Der Diakonie-Adventkranz am Wiener Rathausplatz (Foto: Anna Rauchberger)

Heute findet er sich in jedem Haus. Der erste Adventkranz aber war einer für die ganz schlimmen Kinder. „Die Kinder mit den denkbar schlechtesten Zeugnissen über hier Verhalten und ihr Herkommen“ wolle er in seinem Kinderrettungshaus aufnehmen, schrieb der Begründer der Diakonie Johann Hinrich Wichern, der 1839 den ersten Adventkranz im Rauhen Hauses, in Hamburg, aufgehängt hatte. Damals noch in Form eines Wagenrads mit vier großen, weißen Kerzen für die Sonntage und kleinen roten Kerzen für jeden einzelnen Tag des Advents.

Der Adventkranz sollte für die Kinder, die aus den Elendsquartieren und den Straßen der Stadt gekommen waren zum Hoffnungsträger werden. Im Rauhen Haus erhielten sie nicht nur Kleidung und Nahrung, sondern eine schulische und später auch berufliche Ausbildung.

So wurden sie selbst zu Hoffnungsträgern und konnten den Kreislauf der Armut und des Elends durchbrechen. Der Adventkranz hingegen fand seinen Weg in die Wohnzimmer nicht nur der Hamburger. Seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ist der Brauch auch in Österreich lebendig. Entzünden wir morgen die erste Kerze, dann ist das auch eine Geburtstagskerze, die uns daran erinnert, dass da immer Hoffnung ist, auch bei den „Kindern mit den denkbar schlechtesten Zeugnissen über hier Verhalten und ihr Herkommen.“

„Von Gott und der Welt", die Kolumne von Michael Chalupka, erscheint jeden Samstag in der Kronenzeitung.